Endlich entdeckt: Nach jahrzehntelanger Suche haben Astronomen erstmals Polarlichter auf dem Neptun nachgewiesen – und damit eine große Lücke der Planetenforschung geschlossen. Die mit dem James-Webb-Teleskop aufgespürten Neptun-Auroren leuchten im Nahinfrarot und werden von angeregtem Wasserstoff verursacht. Anders als bei andern Planeten liegt die Aurora-Zone des Neptun aber nicht in seinen Polargebieten, sondern in mittleren Breiten. Ursache dafür ist das ungewöhnliche Magnetfeld des fernen Eisriesen.
Polarlichter gibt es nicht nur auf der Erde: Auch auf anderen Planeten des Sonnensystems wie Mars, Jupiter, Saturn und Uranus haben Astronomen schon Auroren nachgewiesen. Sie entstehen, wenn energiereiche Teilchen des Sonnenwinds mit den Magnetfeldern und den geladenen Teilchen der planetaren Atmosphäre interagieren. Während irdische Polarlichter vor allem durch beschleunigte Elektronen ausgelöst werden, ist bei anderen Planeten meist protonierter Wasserstoff in Form des Trihydrogenium-Kations (H3+) der Polarlicht-Auslöser.

Lücke beim Neptun
Doch bei einem Planeten scheiterten bisher alle Versuche, ein Polarlicht nachzuweisen: dem Neptun. „Trotz wiederholter Versuche und Modellen, nach denen es protoniertem Wasserstoff auf dem Neptun geben müsste, gelang dies nicht“, erklären Henrik Melin von der Northumbria University in England und seine Kollegen. Die NASA-Raumsonde Voyager-2 hatte bei ihrer Neptun-Passage im Jahr 1989 zwar schwache Hinweise auf überschüssige UV- und Radiostrahlung auf der Nachtseite des Planeten gefunden. Eindeutig war dies aber nicht.
Deshalb haben Melin und sein Team den Neptun nun noch einmal mit dem James-Webb-Teleskop ins Visier genommen. Sie nutzten das NIRSpec-Spektrometer, um den Planeten im nahinfraroten Wellenlängenbereich zwischen 2,87 und 5,27 Mikrometern zu untersuchen. In diesem Spektralbereich müssten die Emissionen einer H3+-Aurora liegen.